Wie nepalesische Kupferbuddhas entstehen: vom Wachs zum Gold
Ein nepalesischer Kupferbuddha entsteht im Wachsausschmelzverfahren und wird danach von Hand ziseliert, feuervergoldet, bemalt und mit Steinen besetzt. Dieser Ratgeber folgt jedem Schritt so, wie Valentin Rüst ihn im Oktober 2006 in Werkstätten im Kathmandutal dokumentiert hat, und zeigt, was das für Käufer heute bedeutet.
Feldforschung und Fotos von Valentin Rüst, Kathmandutal, Oktober 2006, für seine Maturaarbeit an der Kantonsschule Enge, Zürich.
Aktualisiert
Woher stammt dieser Bericht?
Dieser Ratgeber beruht auf eigener Feldforschung. Im Oktober 2006 reiste Valentin Rüst, Werner Ruests Sohn, ins Kathmandutal, besuchte Werkstätten und dokumentierte mit seiner eigenen Kamera Schritt für Schritt, wie ein nepalesischer Kupferbuddha entsteht. Daraus wurde seine Maturaarbeit an der Kantonsschule Enge in Zürich. Beschrieben wird, was er 2006 in diesen Werkstätten gesehen hat, nicht eine Regel für jede Werkstatt oder jede Epoche.
Organisiert hat die Reise Werner Ruest, der Sammler hinter Fine Asian Art, der in den 1970er- und 1980er-Jahren mit Himalaya-Kunst handelte und in Europa verkaufte. Sein alter Freund Amer Lal Shrestha vom Hotel Dynasty in Kathmandu beherbergte Valentin und öffnete Türen. Meister Kaji Ratna Shakya zeigte die Herstellung einer Figur, schenkte Valentin mehrere Stücke aus verschiedenen Stadien und gab ein Interview, und Manoj Raj Shakya, ein Ziselier-Meister mit eigenem Team, erklärte die Feinarbeit. Allen dreien gilt unser herzlicher Dank.
Der Wachsausschmelzguss hat im Kathmandutal eine lange Geschichte. Seit vielen Jahrhunderten wird er von Newar-Handwerkern betrieben, vor allem von Familien der Shakya-Kaste in Patan, deren Figuren auch nach Tibet gehandelt wurden. Die Newari-Begriffe sind so wiedergegeben, wie sie 2006 notiert wurden; andere Quellen schreiben sie teils anders.
Woraus besteht das Wachsmodell?
Jede Figur beginnt als Wachsmodell, das später durch Metall ersetzt wird. In den besuchten Werkstätten war das Bienenwachs: Leere Waben wurden zu einer Masse geschmolzen und zu einem grossen Brocken gehärtet. Beim Schmelzen kam Sheela dazu, ein pulverisiertes Baumharz; es macht das Wachs weicher und formbarer, was für das Modellieren nötig ist.
Zum Gebrauch wurde der gehärtete Brocken in einem Topf aufgewärmt, entweder an der Sonne oder über einem kleinen Kohleofen, und nochmals mit Sheela versetzt. Bienenwachs wird dafür seit sehr langer Zeit verwendet, das Material selbst hat sich kaum verändert.
Wie wird die Wachsfigur aufgebaut?
Statt jeden Buddha frei zu modellieren, pressten die Werkstätten warmes Wachs schichtweise in leicht befeuchtete, in Wasser gekühlte Mustervorlagen, heute aus einer speziellen Zementmischung, traditionell aus Metall. War eine dicke Schicht entstanden, wurde sie abgelöst und in kühlem Wasser gehärtet. Eine Figur bestand aus rund 250 bis 300 einzelnen Wachsteilen, davon etwa 100 allein für die Haarlocken.
Jedes Teil wurde dann über dem Kohleofen leicht erwärmt, und seine Details, Augen, Nase, Lippen, Brauen, wurden von Hand mit kleinen Werkzeugen aus Eisen und Büffelhorn herausgearbeitet. Zusammengefügt wurden die Teile durch Erwärmen der Kanten. Die obere Hälfte der Frisur entstand separat, weil am Kopf eine Öffnung für den Guss nötig ist. Die Vorlagen erklären, warum Figuren einer Werkstatt ähnliche Proportionen haben, doch die Qualität dieser Handarbeit unterscheidet eine feine Figur von einer gewöhnlichen.
Wie wird das Wachs vorbereitet und in Ton gehüllt?
War die Wachsfigur fertig, wurden an mehreren Stellen vorsichtig Nägel eingeschlagen, für die Stabilität und damit der Ton gut haftet.
Danach wurde das Wachs in zwei Stufen mit Ton umhüllt. Zuerst kam Michecha Paag, feiner brauner Schlamm mit Kuhdung und Wasser; der Dung verfeinert den Ton, sodass eine schönere Form entsteht. Er wurde vorsichtig und luftdicht aufgetragen, getrocknet und der Vorgang dreimal wiederholt.
Darüber kam Cha Bhunay Guo, ein gelblicher, festerer Ton mit Heu und Wasser, feucht aufgestrichen und getrocknet, zweimal; das Heu gibt zusätzlichen Halt. Am Ende ist die Figur nur noch grob zu erkennen, und trotz des Hohlraums ist die Form sehr schwer geworden.
Was geschieht am Gusstag?
Der Guss, notiert als Dhlay Yaagu, ist teuer und fand deshalb selten statt: Man wartete, bis viele Formen bereit waren. Im Schnitt wurden etwa 45 Formen auf einmal gebrannt, mit rund 80 kg Kupfer, unter schlechten Luft- und Atembedingungen. Die Formen standen mit der Öffnung nach unten etwa zwei Stunden in einem mit Holz und Kohle geheizten Brennofen, sodass das Wachs ausfloss. Dann wurden sie auf den Boden gestellt, und ein Helfer goss vorsichtig Wasser darüber, um sie leicht abzukühlen und die Gase im Inneren auszutreiben, damit die Form nicht explodiert.
Mit der Öffnung nach oben neben den zweiten Ofen gestellt, wurden die Formen mit reinem Kupfer gefüllt, geschmolzen aus Stäben oder Altmaterial wie kaputten Kupfertöpfen. Beim Giessen gab man kleine Wachsstücke ins Kupfer, damit es geschmeidiger fliesst. Die gefüllten Formen wurden anschliessend zum Abkühlen in ein Wasserbecken geworfen.
Wie sieht eine Figur direkt aus der Form aus?
Die abgekühlten Figuren wurden mit einer Zange herausgeholt, und der gebrannte Ton wurde mit Werkzeugen abgeschlagen; jede Form dient also nur einmal. Aussen mitgegossene Teile, etwa eine Waffe oder ein Schmuckstück, das eigentlich in die Hände gehört, und kleine Metallstangen zur Stützung eines Arms mussten danach entfernt werden. Was zum Vorschein kommt, ist die Kora-Figur: noch mit Ton und Russ bedeckt, mit Haltung und Proportionen, aber ohne ihre spätere Schärfe.
Oft sind die Güsse beschädigt: Wo die Hitze nicht abziehen konnte, können Teile platzen und grosse Risse hinterlassen, die repariert werden müssen. Eine Kora zeigt Sammlern, wie viel von dem, was wir an einer fertigen Statue bewundern, gar nicht durch den Guss entsteht, sondern durch die Arbeit danach.
Kaji Ratna Shakya schenkte Valentin mehrere Stücke aus verschiedenen Stadien. Ein Foto von vier Kupferfiguren nebeneinander zeigt die Nachbearbeitung deutlich: beschädigt und voller Schlamm, gereinigt und repariert, ziseliert und schliesslich geschliffen, bis sie glänzt. Diese Sichtweise hilft bei jeder Metallfigur aus dem Himalaya, ob alt oder neu.
Was ist Ziselieren, und warum dauert es so lange?
Ziselieren ist die geduldige Arbeit, die Oberfläche mit eisernen Punzen, notiert als Kataa, und einem Hammer zu reinigen und zu formen, ähnlich wie beim Meisseln. Für eine Figur wurden 50 bis 100 Kataas verwendet, jedes für einen bestimmten Teil: Augen, Nase, Lippen, Fingernägel, Lotusblätter. Sie entfernten festgebrannten Ton und Russ und arbeiteten zugleich Konturen und Details heraus. Dazu kamen ein kleiner Amboss, Feilen und ein Zirkel zum Prüfen der Proportionen.
Während der Arbeit wurde die Figur erneut mit Wachs gefüllt, das später über einem Feuer wieder ausgeschmolzen wurde. Es füllt die Hohlräume, verhindert Verformungen und dämpft Vibrationen. In der Werkstatt von Manoj Raj Shakya (nicht mit Kaji Ratna Shakya verwandt) erledigt ein kleines Team diese Arbeit; für einen Mann dauert sie rund sechs Monate pro Figur.
Nach dem Ziselieren wurde die Figur mit dünnen Streifen Sandpapier sorgfältig geschliffen, bis sie geschmeidig war und zu glänzen begann, und zuletzt mit einem Gemisch aus Wachs und rotem Ton poliert.
Wie wird feuervergoldet und poliert?
Die dokumentierte Vergoldung war Feuervergoldung (Quecksilbervergoldung). Die Figur wurde erhitzt, heute mit einem Gasbrenner, und in eine Sulfatlösung getaucht, damit die Kupferoberfläche reagiert und das Amalgam später haftet; dabei wurde sie gebürstet, um die Oberfläche aufzurauen. Getrennt davon wurde 24-karätiges Blattgold fein zerschnitten, mit Quecksilber abgewogen und in einer Steinschale mit Glasscherben und Wasser etwa dreieinhalb Stunden zu einer silbrigen Mischung gemahlen.
Das Amalgam wurde mit einem Pinsel aufgenommen, für bessere Haftung in eine Nitratlösung getaucht und auf die gewünschten Stellen aufgetragen; das Gesicht wurde in diesem Schritt nicht vergoldet. Die Stellen wirken zuerst silbern; erst wiederholtes Erhitzen mit dem Brenner macht sie mattgolden. Kleine Unregelmässigkeiten wurden mit einem Wollknäuel ausgebessert, und die Figur wurde in Wasser abgekühlt.
Deutlich gesagt: Die Feuervergoldung mit Quecksilber setzt giftigen Quecksilberdampf frei. Sie gefährdet Arbeiter und Nachbarn und ist heute in vielen Ländern eingeschränkt oder verboten. Wir beschreiben sie, weil sie das Aussehen traditioneller Himalaya-Vergoldung erklärt, nicht um sie zu empfehlen.
Danach wurden die vergoldeten Stellen in Wasser mit Hatha, einer Seife aus den Samen eines Baumes (Seifennuss), mit einem Werkzeug mit Achatspitze, notiert als Lasaa, gerieben. Das macht das matte Gold glänzend, hinterlässt aber viele kleine Kratzer, die mit einer feinen Metallbürste geglättet wurden.
Dann wurde eine rotbraune Mischung, notiert als Geyru, auf die ganze Figur aufgetragen: Die Kupferbereiche werden dunkler und gleichmässiger, das Gold gelber und auffälliger. Die Figur wurde an der Sonne oder, schneller, mit dem Brenner getrocknet, nochmals poliert, und die offene Unterseite wurde mit einer passenden Bodenplatte verschlossen.
Wie wird das Gesicht bemalt?
Das Gesicht verleiht einer Figur ihren Ausdruck. Früher verwendete man Farben aus Steinen, heute aus Kostengründen chemische Farben. Ein Gesicht zu bemalen dauerte rund drei Stunden, mit Pinseln aus Eichhörnchenhaar und anderen sehr feinen Haaren, damit das Gold nicht daran haftet, sowie mit einem Lasaa. Die Augenpartien wurden oft zuerst mit einer Masse ausgebessert, die mit der Zeit hart wird.
Eine gelbe Farbe, notiert als Astra, wurde dreimal aufgetragen, um Gold zu sparen und die Poren zu füllen. Darüber kam 24-karätiges Blattgold, mit Wasser vermischt, in drei Schichten, von denen jede über 100 Pinselstriche bedeuten kann. Dann wurden die Augen weiss bemalt und orange und schwarz umrandet, dazu schwarze Brauen und Pupillen, rote, braun umrandete Lippen, ein hellblauer Haaransatz, eine braune Tika auf der Stirn (ein kleiner Kratzer mit dem Lasaa lässt sie schimmern) sowie braune Halsfalten und Augenlider.
Für Sammler ist entscheidend, dass die Gesichtsbemalung auf dem Metall liegt und von der Feuervergoldung getrennt ist. Bei älteren Figuren können Gesichter später neu bemalt oder ausgebessert werden; ein frisch wirkendes Gesicht sagt daher für sich allein nichts über das Alter der Figur darunter.
Wie werden Türkis und Koralle gefasst?
Steine wurden nicht mit modernem Kleber befestigt. Die Vertiefungen dafür entstanden beim Ziselieren; jeder Stein wurde ausgesucht und passend geschliffen, dann in Bienenwachs mit Sheela und Steinstaub gesetzt, das kurz über einem Feuer erweicht und in kleinen Klumpen in die Fassung gedrückt wurde. Der Stein wurde eingedrückt und überschüssiges Wachs mit einer Pinzette entfernt. Türkis wurde importiert, laut den Handwerkern vor allem aus Afghanistan, Iran, Tibet oder China; verwendet wurde auch rote Koralle.
In Wachs gefasste Steine können sich mit der Zeit lockern oder herausfallen, fehlende oder ersetzte Einlagen sind bei älteren Stücken daher häufig. Der Handel mit manchen Edelkorallen kann CITES-Regeln unterliegen; klären Sie die aktuellen Vorschriften vor Kauf oder Versand mit den Behörden der beteiligten Länder.
Warum ist das beim Kauf einer Statue wichtig?
Wer den Ablauf kennt, kann eine Figur lesen. Scharfe, bewusst gesetzte Ziselierung zeugt von vielen Stunden geübter Handarbeit. Feuervergoldung verbindet sich mit dem Metall und reibt sich an erhabenen Stellen bis aufs Kupfer ab, während Goldfarbe eher auf der Oberfläche liegt und abblättert. Ein goldenes Gesicht ist separat bemalt, nicht Teil der Feuervergoldung, und in Wachs statt modernem Kleber gefasste Steine entsprechen der traditionellen Praxis.
Ebenso wichtig: Diese Werkstätten stellten 2006 solche Figuren her, und ähnliche Werkstätten tun es heute noch, mit denselben Materialien und weitgehend denselben Werkzeugen. Feine Arbeit und traditionelle Technik sind deshalb für sich allein kein Altersbeweis. Beurteilen Sie das Alter aus dem Gesamtbild und verlangen Sie Detailfotos von Boden, Innerem und Oberfläche; wir senden auf Anfrage gern weitere Fotos.
Fragen und Antworten
Wie lange dauert die Herstellung eines nepalesischen Kupferbuddhas?
Das hängt von Grösse und Qualität ab. In der besuchten Werkstatt wurde allein das Ziselieren auf rund sechs Monate Arbeit pro Figur für einen Handwerker geschätzt, das Bemalen eines Gesichts dauerte etwa drei Stunden.
Ist jede Statue im Wachsausschmelzguss ein Unikat?
Ja. Wachsteile können aus wiederverwendbaren Formen stammen, aber jede Tonform wird zerschlagen und jede Figur von Hand vollendet, daher gleicht keine der anderen.
Wie unterscheide ich Feuervergoldung von Goldfarbe?
Feuervergoldung ist mit dem Metall verbunden, meist poliert und reibt sich an erhabenen Stellen bis aufs Kupfer ab. Goldfarbe liegt auf der Oberfläche und blättert oder reibt sich ungleichmässig ab.
Gehört das Gold im Gesicht zur Vergoldung?
Nein. In den dokumentierten Werkstätten wurde das Gesicht bei der Feuervergoldung ausgespart und später mit in Wasser gemischtem Blattgold und Farben bemalt; bei älteren Figuren kann diese Bemalung erneuert worden sein.
Beweist traditionelle Technik, dass eine Statue alt ist?
Nein. Werkstätten im Kathmandutal fertigen bis heute Figuren mit denselben Materialien und Methoden, Handarbeit allein belegt also kein Alter.
Wird die Feuervergoldung mit Quecksilber noch angewandt?
Sie wurde 2006 beobachtet, setzt aber giftigen Quecksilberdampf frei, gefährdet die Arbeiter und ist heute in vielen Ländern eingeschränkt.
Von Fine Asian Art als allgemeiner Hintergrund verfasst. Keine Expertise zu einem einzelnen Stück – fragen Sie uns gerne zu einem bestimmten Objekt.




































